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Ruth Weiss - Konzert

Mi, 7. Mai 2003, 20:00h, Atrium der ÖBV, Grillparzerstraße 14, 1010 Wien

Mit Martin Brunner (kontrabass), Friedrich Legerer (sax), Stefan Brodzky (perc.)

Do, 8. Mai 2003, 21:30h, Odeon Theater (im Anschluss an die Vorstellung)

Mit Martin Brunner (kontrabass) Ruth Weiss, die vom San Francisco Chronicle einst "Goddess of the Beat-Generation" genannt wurde, ist ein drahtiges kleines Energiebündel mit blitzend neugierigen Augen, knallrotem Kurzhaarschopf und einer Stimme, die von langen Nächten und unzähligen Zigaretten erzählt - irgendwo zwischen Amanda Lear und Marianne Faithfull.

Mit der Welt des Jazz kam Ruth Weiss in den 40er Jahren in Chicago in Berührung. Sie hat - wie die meisten Autoren der Beat-Generation, die ihr zutiefst romantisches Weltbild des Künstlers als Außenseiter u. a. vom Jazz entlehnten - für den Bebop eines Dizzy Gillespie, Charlie Parker und Thelonius Monk geschwärmt. Ihren ersten Auftritt hatte Ruth Weiss 1949.

Daß Ruth Weiss erst relativ spät Anerkennung fand - erst 1996 war sie in einer Beat-Culture-Ausstellung in The Whitney Museum of American Art mit ihrem Avantgardefilm "The Brink" von 1961 vertreten - hat noch andere Gründe. Damals zur Beat-Zeit, erinnert sich Weiss, redete niemand darüber woher er kam: "Es ging um den Moment, ich wußte von den meisten Freunden nicht mal, wo sie geboren wurden". Woher kommt Ruth Weiss?

Ruth Weiss wurde 1928 in einer jüdisch-österreichischen Familie in Berlin geboren. 1933 flohen die Eltern nach Wien. 1939, mit dem letzten Zug, der die Grenze überqueren durfte, flüchtete die Familie nach New York. Später ließ man sich in Chicago nieder. Ein kurzes Intermezzo führte sie 1946 nach Frankfurt und in die Schweiz. Nach ihrer Rückkehr nach Chicago 1948, zog Ruth von zu Hause aus, tauchte ins Künstlerleben ein, trampte per Autostopp durch das Land. Machte Halt in New York's Greenwich Village, landete 1952 in San Francisco's North Beach.

Trotz Freiheitssuche, ihre Vergangenheit hat sie nie losgelassen: "Ich war ein Nazi-Flüchtling und habe mich lange versteckt. Ein Teil von mir fühlte immer: Ich will nicht, daß sie mich finden." Geändert hat sich das erst 1993, als sie vom Holocaust Oral History Project interviewt wurde. Beim Anschauen des Gesprächs auf Video wurde ihr plötzlich klar, wie sehr die Schuld überlebt zu haben, während die gesamte Verwandtschaft ihrer Mutter in KZs ermordet wurde, auf ihr lastete. Früher hat sie sich die Haare geschoren, ihr Zimmer schwarz ausgemalt, hatte Angst unter Menschen. Jetzt, im Alter, öffnen sich Türen und schließen sich Kreise. Etwa jener nach Wien. Weiss wohnt ansonsten mit ihrem "langjährigen Geliebten", dem Maler Paul Blake, in Kalifornien.

Foto: Ruth Weiss 1960 / Paul Beattie